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Ärztemangel im Land: Der Osten wird zum Vorbild

Im Südwesten fehlen 500 Hausärzte. Die Kassenärztliche Vereinigung will jetzt eigene Praxen betreiben. Vorbild: Ostdeutschland.

JENS SCHMITZ |

Ambulante Patienten müssen in Baden-Württemberg künftig mit weiteren Anfahrtswegen, mehr Wartezeit und weniger Kontakt zur Ärzteschaft rechnen. Das folgt nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) aus einem Medizinermangel, der längst nicht mehr nur ländliche Räume betreffe.

Als Notmaßnahme plant der Verband, vorübergehend eigene Praxen zu betreiben – das Problem wirklich lösen könne nur die Politik. Eigeneinrichtungen seien kein Dauerzustand, stellte KVBW-Chef Norbert Metke gestern in Stuttgart klar. „Anonymisierte Großbetriebe zur medizinischen Versorgung, wie Legehennenbatterien, entsprechen nicht der Würde eines Kranken.“

KVBW-Vize Johannes Fechner sagte, man folge mit der Idee ostdeutschen Vorbildern; er könne sich 20 bis 30 solcher Praxen im Südwesten vorstellen. Sie sollen Ärzte ansprechen, die ein Angestelltenverhältnis anstreben.

Derzeit sind nach Angaben des Verbands in Baden-Württemberg 500 Allgemeinarztpraxen nicht besetzt. In den kommenden fünf Jahren sollen weitere 500 Allgemeinärzte ausscheiden, die keine Nachfolger finden; inzwischen würden auch Fachärzte knapp.

Ursachen seien unter anderem Regulierungswut und „brachliegende Ausbildungskapazitäten“, so Metke, der zusammen mit der BWKG einen Ausbau der Studienplätze forderte. Bis so etwas Früchte trägt, soll ein „Masterplan“ die Zeit überbrücken.

Zu ihm gehört das gemeinsam mit den Kassen unterhaltene Programm „Ziel und Zukunft Baden-Württemberg“, das unter anderem Neugründungen und Übernahmen von Praxen unterstützt. Mehr als 800 Ärztinnen und Ärzte, die derzeit nicht arbeiten, wurden angeschrieben, um sie zur Rückkehr zu bewegen, sagte Fechner. Teilweise ältere Maßnahmen betreffen die Aufhebung der Mengenbegrenzung bei der Honorierung von Haus- und Kinderärzten, Jobsharing und Zuschüsse für nicht-ärztliche Praxisassistenten. Im April beginnt zudem der Modellversuch „Doc Direct“, bei dem Patienten per Bildschirm beim Arzt vorstellig werden können.

Den Kliniken im Land fehlen laut BWKG aktuell 1200 Pfleger und 400 Ärzte. „Wir haben noch nie so eine Situation gehabt, das sind alarmierende Zahlen“, sagte Vorstandsvorsitzender Detlef Piepenburg. Die Kliniken kämpfen nicht zuletzt mit der Nähe zur Schweiz, wo Fachkräfte mehr verdienen. Das hohe Lohnniveau des Südwestens finde zudem bei den Fallpauschalen keine Berücksichtigung. Auch Piepenburg forderte vor allem Bürokratieabbau und mehr Studienplätze. Beide Verbände hoffen auf einen Neuanfang – durch die große Koalition in Berlin. Jens Schmitz

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