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Tourismus-Chef: „Wir können Stadt der Zukunft werden“

Stuttgart steht vor großen Veränderungen. Tourismus-Chef Armin Dellnitz fordert, den Wandel besser zu vermarkten.

VON DOMINIQUE ... |

Auf die Tatort-Folge am vergangenen Sonntag – Titel „Stau“ – hätte Stuttgarts Cheftouristiker Armin Dellnitz getrost verzichten können, steht die Schwabenmetropole wegen ihrer Verkehrs- und Luftprobleme doch sowieso schon genug im Fokus. Er selbst fährt zweimal die Woche mit der Bahn in sein Büro oberhalb des Rotebühlplatzes in der Stadtmitte. An den anderen Tagen nimmt der zweifache Vater den Geschäftswagen. Einen Euro-6-Diesel, der aber bald durch einen Hybrid ersetzt werden soll, wie er sagt.  Er wolle schließlich auch einen Beitrag für bessere Luft leisten.

Herr Dellnitz, welches Image hat Stuttgart derzeit?

Armin Dellnitz: Als Wirtschaftsstandort hat Stuttgart einen sehr guten Ruf. Beim touristischen Image hat die Stadt einen Platz im Mittelfeld. Das belegen Studien. Das ist für eine Landeshauptstadt nicht ausreichend. Bei diesen Analysen sind zudem unsere aktuellen Probleme – Feinstaub, Verkehr, Stau –, die das Bild der Stadt medial gerade negativ prägen,  noch nicht einbezogen. Das muss man also differenziert betrachten.

Hat die Feinstaub-Debatte Ihre Arbeit schwieriger gemacht?

Ja, hat sie.  Inwieweit sich die Debatte auf das Kundenverhalten auswirkt, können wir nicht sagen, weil wir noch keinen Rückgang der Gästezahlen spüren. Was wir aber erleben, ist, dass Veranstalter schon mal angesichts der aktuellen Diskussion über Feinstaub und Fahrverbote nachfragen, ob sie uns tatsächlich als Veranstaltungsort anfahren können. Das sind einzelne Vorkommnisse, die aber zeigen, wie sensibel der Markt reagiert. Gerade im Tagungsbereich ist die Konkurrenz enorm groß. Veranstalter entscheiden sich neben Faktoren wie Infrastruktur, Service, Preis-Leistung und touristischem Angebot auch nach dem Image einer Destination.

Wie werden Ihre Befürchtungen im Rathaus aufgenommen?

Das Bewusstsein für die Problematik ist da. In Stuttgart hat man sich dazu entschieden, sehr offensiv mit dem Thema umzugehen. Dadurch steht die Stadt derzeit eben auch besonders medial im Fokus. Am Ende ist es eine Frage der Strategie.

Hätten Sie eine andere Strategie bevorzugt?

Ich hätte mir gewünscht, dass man einen anderen Begriff als Feinstaub-Alarm wählt. Ich finde es gut, wenn man mit Problemen offen umgeht, weil das auch dazu führen kann, dass man in kürzerer Zeit bessere und schnellere Lösungen findet. Mit dem Wort Alarm verbinden die Leute aber ganz dramatische Szenarien, die es bei uns ja gar nicht gibt.

Wünschen Sie sich von der Kommunalpolitik mehr Engagement für ein positiveres Image?

Wir wissen, dass spektakuläre Änderungen hinsichtlich der Mobilität, des gesamten Lebens in der Stadt auf uns zukommen.  Es wäre prima, wenn wir die Zukunft unserer Stadt mit all seinen spannenden und herausfordernden Facetten noch besser darstellen könnten. Auch wenn niemand die Zukunft genau vorhersagen kann, ließe sich noch mehr Begeisterung bei Einheimischen und Gästen entwickeln.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Stuttgart 21. Im Turmforum kann man sich zwar anschauen, wie der Hauptbahnhof einmal aussehen soll, die meisten sehen aber doch einfach nur eine Baustelle mit unvorstellbarem Ausmaß. Man könnte S 21 mit all seinen Chancen und Besonderheiten in einer fantastischen Form präsentieren. Riesige plakative Darstellungen, so dass man davorsteht und sagt:  „Hammer, wann ist das fertig? Ich will dabei sein.“ Die Wirkung, die man damit bei Einheimischen und Gästen erzielen könnte, wird aus meiner Sicht unterschätzt und unzureichend genutzt.

Wünschen Sie sich mehr Visionen?

Ja, und zwar welche, die wir alle noch miterleben,  die realistisch in ihrer Umsetzung sind. Stuttgart wird im Moment beispielhaft für Probleme rund um Mobilität und Luftqualität innerhalb Deutschlands herangezogen – darin sehe ich auch eine Chance. Nämlich die, dass Menschen in 10 oder 15 Jahren zu uns kommen, um sich anzugucken, wie wir das gedreht haben.  Wir können zur Stadt der Zukunft werden. Um das zu schaffen, müssen wir jedoch noch mehr tun. Und es sind alle aufgerufen, daran mitzuarbeiten.

Trotz aller Probleme entwickeln sich die Touristenzahlen nach wie vor positiv. Sie verkünden seit Jahren neue Rekorde. Wie erklären Sie sich das?

Dafür sind mehrere Faktoren verantwortlich: Der Städtetourismus erlebt seit Jahren einen Boom, die Deutschen verreisen gerne in ihrem eigenen Land, was sich  – Stichwort Terror – noch verstärkt hat. Darüber hinaus ist Deutschland eines der attraktivsten Reiseländer weltweit. Und innerhalb Deutschlands ist die Region Stuttgart wiederum eine interessante Tourismusdestination.  Hinzu kommt, dass die Qualität und Quantität der Beherbergungsbetriebe deutlich besser geworden ist. Und dann hat Stuttgart mit dem Dorotheen-Quartier einen enormen Schub in Sachen Shoppingstadt gemacht. Zu guter Letzt glaube ich,  dass auch wir mit unserer Arbeit einen Beitrag  leisten, allerdings auch nur, weil wir tatkräftige Kultur- und Freizeitpartner haben. Diese Stadt ist in den vergangenen 15 Jahren extrem lebendig geworden. Wir haben schon eine ganze Menge erreicht. Aber natürlich wollen wir, dass es so weitergeht.

Im Vergleich zu Hamburg, München oder Berlin kann Stuttgart dennoch nicht mithalten. Wie kann die Stadt trotzdem mehr Freizeittouristen anlocken?

Natürlich spielen die genannten Städte touristisch nochmal in einer anderen Liga. Mit jeder anderen Stadt in Deutschland würde ich jedoch einen Vergleich nicht scheuen. Ich glaube, dass es ein Riesenvorteil ist,  dass sich die Stadt im touristischen Marketing nicht allein, sondern gemeinsam mit vielen Partnern als Region Stuttgart präsentiert. Diesen Vorteil nutzen wir im Marketing intensiv.  Ja, die Stadt gehört im Bereich Städtetourismus vielleicht nicht zur ersten Wahl. Das hört sich vielleicht negativ an. Aber wenn die Touristen in Deutschland Hamburg, München oder Berlin gesehen haben, dann fahren sie nach Köln, Frankfurt und zu uns. Und dann spielen wir unsere Stärken aus.

Wie meinen Sie das?

Für die meisten Gäste verfügen wir über ein überraschend großes Angebot an Freizeit- und Kultureinrichtungen, vieles fußläufig eng miteinander verbunden. Der Schlossplatz mit großer Wohlfühlatmosphäre, Mitarbeiter in Freizeit- und Kultureinrichtungen, die ein ausgesprochen hohes Servicelevel anbieten und Einheimische, die den Tourismus wertschätzen und unseren Gästen mit einem freundlichen Lächeln begegnen. Und dann eben noch die Region mit ihrem Facettenreichtum. Wo finde ich ein derart vergleichbares Angebot? Deshalb ist es für uns auch extrem wichtig, Geschäftsreisende, die 70 Prozent unserer Besucher ausmachen, dazu zu kriegen, der Stadt wenigstens ein, zwei Stunden ihrer Zeit zu widmen. Das nächste Mal bringen sie vielleicht ihren Partner mit. Zumindest werden sie weitererzählen, dass die Region Stuttgart ein lohnenswertes Städtereiseziel ist und möglicherweise noch immer viel zu sehr unterschätzt wird.

Infokasten

Seit 2009 ist Armin Dellnitz Geschäftsführer der Stuttgart-Marketing GmbH und der Regio Stuttgart Marketing- und Tourismus GmbH. Geboren wurde er 1968 in Bad Harzburg (Niedersachsen). Nach dem BWL-Studium mit Fachrichtung Tourismus in Ravensburg führten Stationen über Marburg und zuletzt Kiel nach Stuttgart. Dellnitz ist verheiratet und hat zwei Söhne. Die Familie lebt in Rudersberg im Rems-Murr-Kreis. dl

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Seit 2009 ist Armin Dellnitz Geschäftsführer der Stuttgart-Marketing GmbH und der Regio Stuttgart Marketing- und Tourismus GmbH. Geboren wurde er 1968 in Bad Harzburg (Niedersachsen). Nach dem BWL-Studium mit Fachrichtung Tourismus in Ravensburg führten Stationen über Marburg und zuletzt Kiel nach Stuttgart. Dellnitz ist verheiratet und hat zwei Söhne. Die Familie lebt in Rudersberg im Rems-Murr-Kreis. dl

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