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Gabriela Nasfeter: Die Energie ist wieder da

Zwei Jahre zwischen zwei Ausstellungen, das ist für Gabriela Nasfeter eine ungewöhnlich lange Zeit. Mit „Zwischenräume“ meldet sich die 67-Jährige jetzt zurück.

CLAUDIA REICHERTER |

Gabriela Nasfeter steckt einen Bit  in den Akkuschrauberaufsatz – und stöhnt. „Das sind hunderte verschiedene Schrauben und jede hat einen anderen Kopf!“ Die Suche nach dem passenden Gegenstück gestaltet sich schwierig.  Ihren eigenen Kopf hat auch die 67-Jährige. Bei der Gestaltung der Räume für ihre neue Ausstellung auf der Alb ist sie ebenso perfektionistisch wie beim Planen ihrer oft ausladenden, aufsehenerregenden Installationen. Sie weiß genau, was sie will: „Der letzte Richter bin ich!“ Wenn jemand sagt, das sehe doch gut aus, sie aber noch nicht zufrieden ist, erwidert sie, „dann mach’ doch du die Ausstellung“.

Das ist einer der Gründe, weshalb die Künstlerin mit dem polnischen Akzent so erfolgreich ist. Den Akzent versucht die 1980 ohne Deutschkenntnisse nach Deutschland und 1984 nach Ulm übergesiedelte Architektin, Malerin und Textilkünstlerin gar nicht mehr loszuwerden. Damals habe sie erst mal eine Zeitung bestellt – und ein Lexikon dazu. „Heute merke ich, wenn ich was falsch sage, hören die Leute besser zu.“ Humor hat sie also auch.

In den 42 Jahren seit Abschluss ihres Kunststudiums in Danzig machte sie häufig mit spektakulären Interventionen von sich reden. Ihrem Drei-Jahres-Projekt „Lichtpyramiden“ etwa, das zwölf Gotteshäuser zwischen Berlin und Breslau, Jerusalem und Jerewan, Rom, New York und Rotterdam miteinander verband – und 2000 als dritte Station auch das Ulmer Münster einschloss.

Beunruhigend ruhig

Meist zeigte sie mehrere Ausstellungen im Jahr, gestaltete Bauzäune, konzipierte Performances für Benefizveranstaltungen, produzierte Bücher, Kataloge, entwarf Kostüme und Bühnenbilder. Für Sebastian Sailers  „Schwäbische Schöpfung“ ebenso wie für Jürgen Widmers „Brandner Kasper“. Sie war Gastdozentin an der FH Schwäbisch Gmünd, an den Hochschulen für Gestaltung Pforzheim, Hamburg und Offenbach, unterrichtete an der Roggenburger Ferienakademie und als Kulturagentin an der Munderkinger Realschule. Lastete sie das noch nicht aus, lud sie mit Wein und Büffet zum Besuch ihres Ateliers in Wiblingen.

Gabriela Nasfeter stand stets für ungeheure Produktivität und Energie. Angesichts dessen war es zuletzt beunruhigend ruhig geworden um die am 17. Februar 1950 im polnischen Gdynia geborene weltweit tätige Künstlerin.

Umso mehr strahlt sie nun, da sie beim Aufhängen ihrer zumeist neuen und großformatigen, auf Stahlrahmen aufgespannten Bilder in der Alten Schlosserei der Amstetter Firma Braun sagt, „das ist meine erste Ausstellung seit dem Münsterturmjubiläum!“ Dass sie 125 Jahre nach Vollendung des Münsterturms in der Hirschstraße mit einem Textilbanner zu einer architektonischen Zeitreise eingeladen hatte, ist schon mehr als zwei Jahre her.

In der Zwischenzeit hatte sie „aufgehört zu planen“. Eine schwere Erkrankung hatte sie weitgehend deaktiviert. Das fiel der schlanken, quirligen Frau mit den lebhaften braunen Augen denkbar schwer. „Ich mochte nie lange Urlaube“, sagt sie, weil die Krankheit eigentlich kein Thema sein soll. „Da verliert man den Anschluss.“ Jetzt ist die Energie zurück. „Ich hab’ mich wieder gefunden“, sagt Gabriela Nasfeter, „bin fit wie ein Turnschuh!“

Einordnen lässt sie sich noch immer nicht. Manche Leute klagten, „schon wieder machst du alles anders!“, erzählt sie. Aber gerade dadurch bleibt für sie die Arbeit spannend. Nicht nur, wenn sie in Jerusalem für ihre „Lichtpyramide“ der Terrorgefahr trotzt – „wenn die Kunst vor der Gewalt kapituliert, ist die Welt verloren“.

Sondern auch, wenn sie in einer alten Fabrikhalle auf der Alb den Abstand zwischen ihren hellen, vielfältig deutbaren, mehrdimensionalen Acryl-auf-Polyester-Bildern ausmisst. Wo Rohre und Steckdosen ihre exakt konzipierten „Zwischenräume“ aufbrechen. „Der Rhythmus ist gestört“, erklärt sie Albrecht Braun, der sie zu dieser ersten Ausstellung einlud, nachdem der Krebs ihren Lebensrhythmus unterbrochen hatte. Um genau diesen Bruch, der auch Bewegung ist, geht es, in den penibel mit kleinem Pinsel gemalten Daten aus einer kaputten Email ebenso wie in genähten „Raum“-Büchern.

Bilder, Keramiken und Bücher aus Stoff

Ausstellung „Zwischenräume – mehr als nur ein Durchgang“ heißt die 14. Kunst-Ausstellung auf dem Gelände der Amstetter Firma Braun-Steine (Hauptstraße 5-7). Die meist neuen, noch nie gezeigten Arbeiten Gabriela Nasfeters – Bilder, Keramiken und zwei reizvolle Textilbücher zum Durchblättern – sind in der Alten Schlosserei und der „Stein-Galerie“ am Eingang zum Firmengelände noch bis 21. September zu sehen. Geöffnet Mo-Do 8 bis 17, Fr 8-16, Sa 10-13 Uhr.

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