undefined Function "box_swo_paywall_counter".

Illegaler Verkauf von Welpen

Bei Angeboten im Internet ist Vorsicht geboten. Nach einem Fall in Münsingen warnt auch die Polizei.

GUDRUN GROSSMANN |

Die vier schneeweißen kleinen Malteser sitzen auf einem roten Tuch und schauen mit ihren Knopfaugen in die Kamera. Ein gewisser „Juli“ aus Münsingen bietet sie für 530 Euro bei ebay an. „Unsere liebe Maya hat drei Welpen zur Welt gebracht. Jetzt sind die Kleinen 12 Wochen alt und suchen ab sofort ein liebevolles Zuhause.“ Der Verkäufer gibt an, dass die Tiere geimpft und gechipt sind. Interessenten aus Ludwigsburg und Karlsruhe reisen am Samstag an. Der Münsinger Tierschutzverein erhält einen Tipp und schaltet sich ein. Schnell ist klar, dass die Welpen sehr viel jünger und die Papiere gefälscht sind. Die Polizei unterbindet den illegalen Welpenhandel. Ein Kauf wird rückgängig gemacht. Die beiden Malteser, die angeblich aus Rumänien stammen, kommen ins Reutlinger Tierheim. (Wir haben berichtet.)

Ein Einzelfall? „Leider nein“, sagt Ursula Rollmann, Vorsitzende des Münsinger Tierschutzvereins. Häufig würden Tiere angeboten, die aus zweifelhaften Massenzuchtanlagen stammen. Mit falschen Fotos. „Die Malteser in Münsingen hatten noch kaum Milchzähne und konnten schon vom Alter her nicht gegen Tollwut geimpft worden sein.“ Die Tiere würden deshalb so früh von der Mutter getrennt, damit diese so schnell wie möglich wieder gedeckt werden kann.

Seriöse Züchter würden darauf achten, dass die Tiere mindestens zwölf, besser vierzehn Wochen bleiben. „Denn dies ist die wichtige Prägephase.“ Wer denkt, er habe ein Schnäppchen gemacht, müsse nicht selten feststellen, dass sich die Tiere später auffällig verhalten. Sie sind verstört oder reagieren zuweilen aggressiv. „Nicht wenige landen dann im Tierheim.“ Die Einrichtungen sind meist randvoll. Sie sind auch Auffangstation für die Welpen, die von der Polizei oder dem Zoll beschlagnahmt werden.

Der Handel mit Welpen boomt. Ein ehemaliger Händler hat der Organisation „Vier Pfoten“ Einblicke gegeben. Bei Ebay könne man unkontrolliert inserieren. „In Spitzenzeiten habe ich so in drei Tagen 2000 Euro verdient.“ Kein Thema scheint in diesen Kreisen das Leid der Tiere zu sein. Die Mutterhündinnen werden oft über Jahre hinweg als „Gebärmaschinen“ missbraucht. Rüden erhalten Hormone. Fotos zeigen verdreckte und viel zu kleine Zwinger, Tiere, die in einem verwahrlosten Zustand sind.

Die Welpen werden über weite Strecken transportiert. Es fehlt an Nahrung und an Wasser. So kommen sie geschwächt am Ziel an. Die Interessenten haben Mitleid und entscheiden sich schnell für einen Kauf. Das Erwachen kommt dann später, wenn der Tierarzt diverse Krankheiten feststellt. Trotz intensiver Behandlung, mit entsprechenden Kosten, müssen viele Tiere eingeschläfert werden. Von Tierschutzorganisationen wird schon seit langem ein Heimtiergesetz gefordert, das unter anderem die Zucht und den Handel regelt, sowie eine generelle Pflicht zur Kennzeichnung und Registrierung von Tieren vorsieht.

Die Reutlinger Polizei nimmt den Münsinger Fall zum Anlass, um eindringlich zu warnen. Wer einen Welpen kaufen will, soll sich die Haltungsbedingungen anschauen. Vorsicht sei angebracht, wenn kein Zugang gewährt wird. „Wer seriös mit Hunden handelt, tut dies nicht aus dem Kofferraum heraus oder beim ersten Kontakt im Bahnhof oder an der Straße. Er will sicher gehen, dass es die Welpen beim neuen Besitzer auch gut haben und sich Hund und zukünftiges Herrchen auch verstehen.“ Ursula Rollmann begrüßt diese Initiative. Tierfreunde sollen verdächtige Anzeigen melden. Ihr selbst ist schon wieder ein zweifelhaftes Angebot aus Münsingen aufgefallen. Sie wird es im Auge behalten. Weitere Auskunft erteilt der Münsinger Tierschutzverein unter Telefonnummer (0 73 83) 9 43 88 55. Gudrun Grossmann

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

undefined Function "box_swo_tabellen_get_tabledata_by_leokuerzel".
Zum Schluss

Warum man mit Energiesparlampen ...

Die modernen Glühlampen sind gut für die Umwelt, weil sie Energie sparen, aber schwierig zum Entsorgen.

Energiesparlampen schonen das Klima, weil sie viel weniger Strom verbrauchen als die alten Glühbirnen. Doch wenn sie zerbrechen, ist Vorsicht angesagt – vor allem, wenn sie Quecksilber enthalten. mehr

Studie: Meiste Reiche leben in ...

Weltweit gibt es immer mehr Millionäre. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Reichen. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens Capgemini hervor. mehr

Mückenplage droht – ...

Wo kommt sie vor? Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus).

Deutschland droht eine Stechmückenplage. Der Grund: das feuchtwarme Wetter. Experten bitten darum, Mücken zu fangen und einzusenden. mehr